Schlagwort: Markus-Evangelium

  • Markus 14: Betete Jesus vor seiner Verhaftung das Vaterunser?

    Das Gebet, das wir Vaterunser nennen, hat zwei Quellen in der Bibel: die Bergpredigt (in Matthäus 6) und Lukas 11. In beiden Stellen bringt Jesus dieses Gebet seinen Jüngern bei. In den anderen beiden Evangelien, Markus und Johannes, ist das Vaterunser nicht direkt überliefert. Aber können wir es indirekt vielleicht doch in Markus erkennen?

    Vor kurzem habe ich die Gethsemane-Situation im Markus-Evangelium gelesen (Markus 14,32-42): Kurz bevor Jesus verhaftet wird, bittet er seine Jünger, dass sie mit ihm wach bleiben und beten sollen. Er geht noch ein paar Schritte weiter, betet, schaut anschließend nach seinen Jüngern und stellt fest, dass sie eingeschlafen sind. Das ganze wiederholt sich, bis Jesus schließlich verhaftet wird.

    Dabei ist mir etwas aufgefallen: In Markus 14,32–42 sind erstaunliche Parallelen mit dem Vaterunser zu entdecken. Auf diese möchte ich in diesem Beitrag hinweisen.

    Das Gebet von Jesus

    Das Gebet von Jesus gibt Markus sehr kompakt wieder:

    »Abba, Vater«, sagte er, »alles ist dir möglich. Lass diesen bitteren Kelch an mir vorübergehen! Aber nicht wie ich will, sondern wie du willst.« (Markus 14,36 NGÜ)

    „Abba, Vater“ eröffnet das Gebet von Jesus. Das ist sehr dicht an „Unser Vater“. Aus dem Hebräischen könnte „Abba“ mit „mein Papa“ übersetzt werden. Es ist eine persönliche, vertraute Anrede, die eher unserem „Papa“ entspricht. Jesus spricht seinen Vater im Himmel an, in dem Bewusstsein, dass er ihm nahe ist. Jesus vertraut fest darauf, dass der Vater sich für ihn interessiert.

    Mit „alles ist dir möglich“ ehrt Jesus seinen Vater und dessen Möglichkeiten. Dies geschieht im Vaterunser schon bei der Anrede Gottes, die vollständig „Unser Vater im Himmel“ lautet. Ich verstehe diese Lokalisierung Gottes mit „im Himmel“ nicht zwingend als eine Ortsangabe. Vielmehr sehe ich darin ein Ausdruck des Vertrauens, dass Gott eine andere Perspektive auf die Welt hat als ich ich selbst. Gleichzeitig stehen ihm andere Möglichkeiten zur Verfügung.

    Direkt im Anschluss an die Anrede beten wir „geheiligt werde dein Name“. Wir bekennen mit dieser Aussage, dass Gott alle Ehre verdient. Er ist heilig und er verdient Lob. Auch das steckt in dem Gebet von Jesus „alles ist dir möglich“. Gott ist unbegrenzt und wird durch nichts und niemanden eingeschränkt. Jesus vertraut fest darauf, dass dem Vater alles möglich ist und bei nichts, was mit ihm geschehen wird, ist der Vater handlungsunfähig geworden.

    „Lass diesen bitteren Kelch an mir vorübergehen!“ Was in den nächsten Stunden auf Jesus zu kommt, ist eine Tortur. Dass er es als „bitteren Kelch“ bezeichnet, ist fast schon eine Untertreibung. Mit dem Vaterunser lehrte er uns, für unser tägliches Brot zu beten: „Unser tägliches Brot gib uns heute.“ Wir beten um Versorgung und Bewahrung für uns selbst. (Nebenbei: Brot und Kelch sind die beiden Elemente, die uns im Abendmahl begegnen, das Jesus uns in Erinnerung an seine Taten aufgetragen hat.) Jesus vertraut fest darauf, dass der Vater ihn bewahren kann (und es tun wird, sofern es das Beste ist).

    „Aber nicht wie ich will, sondern wie du willst“, betet Jesus vor seiner Verhaftung. „Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden“, bringt er uns als Gebet bei. Jesus weiß in dem Garten, was Gott will, es war immerhin sein eigener Plan. Und obwohl es ihm lieber wäre, diesen bitteren Kelch nicht trinken zu müssen, ist ihm die Loyalität zu Gott und die Unterordnung unter den Willen des Vaters noch wichtiger. Jesus vertraut fest darauf, dass der Wille des Vaters besser ist, als sein Wunsch, von dem bitteren Kelch bewahrt zu werden.

    Andere Aspekte des Vaterunsers

    Das Gebet von Jesus ist sehr konkret in Bezug auf seine aktuelle Situation gesprochen. Daher leuchtet es ein, dass er in der „ich“-Sprache betet. Das Vaterunser ist dagegen in der Mehrzahl formuliert. Doch wir können auch den „uns“-Aspekt in Markus 14,32–42 erkennen, denn Jesus bittet seine Jünger, dass sie mit ihm wachen und beten sollen und auch für sich beten.

    Das Gebet, zu dem Jesus die Jünger hier im Garten auffordert, verbindet er mit einem ganz besonderen Zweck, der auch im Vaterunser auftaucht. Dort mit den Worten „Führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.“ Hier:

    Wacht und betet, damit ihr nicht in Versuchung geratet! Der Geist ist willig, aber die menschliche Natur ist schwach. (Markus 14,38 NGÜ)

    Doch die Jünger schlafen anstatt zu wachen und zu beten. Was im Markus-Evangelium als nächstes geschieht zeigt: Das Böse begegnet ihnen, die Jünger geraten in Versuchung und sie sind der Versuchung nicht gewachsen. Sie alle verlassen Jesus. Petrus wird mehrfach heftig bestreiten, dass er Jesus überhaupt gekannt hat.

    „Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.“ Jesus war frei von Schuld, doch jeder andere wird schuldig. Wie wir oben gesehen haben, hatten seine Jünger diese Bitte um Vergebung ihrer Schuld nötig. Das hat sich bis heute nicht geändert. Wir – seine Jünger – haben dieses Gebet notwendig. Und wir können gewiss sein, dass er uns unsere Schuld vergibt. Das hat sich bis heute nicht geändert.

    Sowas wie ein Fazit

    Mir ist bewusst, dass dieser Artikel keine gründliche Exegese darstellt. Trotzdem, ich würde diese Bibelverse mit Bleistift demütig als „Das Vaterunser des Markus-Evangeliums“ überschreiben.

    Wenn daran etwas dran sein sollte, haben bestimmt schon andere Menschen in den letzten 2000 Jahren darüber geschrieben. Ein Artikel im Logos-Blog „Word by Word“ trägt die Überschrift „Did Jesus Pray the Lord’s Prayer for Himself or for Us?“ Den Artikel werde ich mir demnächst mal anschauen.

    Mich berührt es, dass Jesus „das Vaterunser“ vor seiner Verhaftung betete. In einer Situation voller Angst und Trauer greift Jesus auf die Grundlage zurück, die er seinen Freunden beigebracht hat.

    Was bedeutet dir das Vaterunser? Betest du es regelmäßig, gelegentlich oder gar nicht? Macht es etwas mit dir, dass Jesus in größter Anspannung ein Gebet betete, dass dem Vaterunser so ähnlich ist? Ich würde mich freuen, wenn du deine Gedanken in einem Kommentar hinterlässt.

  • Podcasts zum Bibellesen

    Nach unserem Konfi-Treffen vor Kurzem, habe ich für unsere Konfis nach Podcasts zum Bibellesen gesucht. Wichtig war mir, dass dort nicht nur über biblischen Themen gesprochen, sondern Bibel gelesen und über den Text gesprochen wird. Und für die junge Zielgruppe sollten diese Podcasts auf Deutsch sein. Drei Podcasts habe ich letztlich empfohlen.

    • Offenbart Podcast. In jeder Staffel wird ein Buch der Bibel abschnittsweise gelesen. Offenbart bei Spotify. Danke für die Empfehlung, Nils.

    • Bibletunes. Auch Bibletunes behandelt einzelne Bücher der Bibel als Staffeln, beispielsweise gibt es eine Staffel zum Evangelium nach Johannes. Bibletunes bei Spotify.

    • Gunnar Engel hat mehrere Bible Study Livestreams durchgeführt. Die Aufnahmen sind ebenfalls als Podcasts vorhanden. Bei einzelnen Livestreams zum Markus-Evangelium habe ich teilgenommen. Bible Study mit Gunnar Engel bei Spotify und YouTube.

    Wenn du Podcasts magst und mehr Bibellesen möchtest, dann hör mal rein. Vielleicht hörst du einem der Podcasts gerne zu.

  • Über den Bibel Kommentar Kingcomments

    Mich hat eine Frage nach dem Bibelkommentar Kingcomments erreicht. Ob ich den Kommentar kennen würde. „Klingt erstmal gut, aber es fehlen Belege oder Quellen.“ Meine Antwort ist etwas größer ausgefallen, als ich erst gedacht hatte, daher möchte ich sie hier festhalten.

    Den Kingcomments Kommentar kannte ich bisher nicht. Meistens nutze ich Kommentare, die ich in meiner Bibelsoftware Logos besitze. Die fehlenden Quellen-Angaben sind schade, aber vermutlich nicht unüblich. Zumindest wenn es sich nicht um einen akademischen Kommentar handelt. In meinen Predigten gebe ich auch nicht alle meine Quellen an. Die Vertrauenswürdigkeit hängt in dem Fall erstmal stark an der Person. Ich kenne den Autor Ger de Koning nicht.

    Für eine grobe Einschätzung, habe ich mir stichprobenartig ein paar Stellen angeschaut. Zwei thematische Seiten und drei Bibelstellen.

    • Zusammenfassender Überblick über zukünftige Ereignisse – über die Offenbarung und Endzeit. Er ist sich wohl sicher, dass einige der Ereignisse mit gerade existierenden Staaten (Israel, Russland, etc) und Organisationen (die EU) zu tun haben. Das kann ich mir nicht vorstellen und halte ich eher für wenig vertrauenswürdig. Die Offenbarung wurde für Menschen geschrieben, die entweder in den Jahren 60-70 n.Chr. oder etwa 95 n.Chr. gelebt haben. Wie sollen die den Brief von Johannes verstanden haben, wenn es sich in den Aussagen um die EU oder Russland handelt?
    • Achtung! Angriff auf unsere (Enkel-)Kinder. Sein Verständnis der Endzeit geht davon aus, dass bis zum Ende alles in der Welt immer schlimmer wird. Diese Ansicht ist nicht selten unter Christen, aber es ist auch nicht einzige Möglichkeit, die Offenbarung zu verstehen. Eine andere Ansicht ist, dass bis Jesus wiederkommt, alles immer besser wird. Ich teile beide Ansichten nicht und denke, dass sich Gutes und Böses die Waage hält, bis Jesus wiederkommt. Abgesehen davon empfinde ich seinen Ton wenig liebevoll, selbst wenn er über Dinge schreibt, die nicht biblisch sind. Die Urknall-Theorie wurde meines Wissens von einem katholischen Mönch entwickelt – das als Waffe des Satans zu bezeichnen würde ich zumindest anzweifeln.
    • Markus 11,23. Der Kommentar weist aus meiner Sicht korrekt darauf hin, dass es sich um einen bestimmten Berg handelt. Jesus geht mit seinen Jüngern auf den Tempelberg zu und soweit ich die Stelle verstehe, meint er genau diesen Tempelberg. Ähnlich wie der Kommentar beschreibt, glaube ich, dass er damit das jüdische System meint. Durch Jesus ist der Tempel und das Opfersystem des Tempels nicht mehr relevant. Ein Dozent von mir sieht in diesem Abschnitt die Ankündigung der Zerstörung des Tempels. So gesehen eine Prophetie, die im Jahr 70 mit der Eroberung Jerusalems durch die Römer in Erfüllung gegangen ist. Abgesehen davon spricht der Kommentar von einem Völkermeer – was auch immer damit gemeint ist.
    • 1 Petrus 3,18f beschreibt die sogenannte Höllenfahrt von Jesus. Der Kommentar beschreibt eine mögliche Auslegung, die ich schon an anderer Stelle gehört habe. Mir sind allerdings noch drei andere mögliche Auslegungen bekannt. Die werden hier gar nicht erklärt oder zumindest darauf hingewiesen, dass andere Ausleger diese Stelle anders verstehen. Das finde ich etwas schade.
    • 1 Korinther 11 über die Kopfbedeckung der Frau. Dort finde ich spannend, dass die Kultur der Empfänger des Briefes überhaupt nicht beachtet wird. Was bedeuteten die rasierten Köpfe in Korinth? Abgesehen davon gibt es zu den Korintherbriefen eine Zitattheorie, die auch von bibeltreuen Theologen vertreten wird. Es kann durchaus sein, dass Paulus immer wieder Aussagen und Fragen der Korinther zitiert und anschließend darauf antwortet.

    Zusammenfassend ergibt sich für mich, dass ich diesem Kommentar nicht die Deutungshoheit über mein Bibelverständnis anvertraue. Es gibt bestimmt überwiegend gute und hilfreiche Passagen, Hinweise und Anregungen in dem Kommentar. Allerdings finde ich diese vermutlich genauso in anderen Kommentaren, die mir grundsätzlich vertrauenswürdiger erscheinen.

  • Markus 16 – Wo ist Jesus?

    Jeden Tag möchte ich die Bibel lesen und einen Satz mit in den Tag nehmen. So lautet mein Bibel-Vorhaben für 2023. Heute habe ich Markus 16 gelesen.

    Mir ist aufgefallen, dass in diesem Kapitel zweimal die Frage beantwortet wird, wo Jesus ist. Jesus ist nicht im Grab, sondern auferstanden (Markus 16,6). Nachdem er nochmal mit seinen Jüngern gesprochen hat, wird Jesus in den Himmel aufgenommen und setzt sich an die rechte Seite Gottes (Markus 16,19).

    Das gibt mir in zweifacher Hinsicht Hoffnung.

    1. Jesus ist wirklich gestorben und wirklich wieder ein lebendiger Mensch geworden. Obwohl er am Kreuz hingerichtet und anschließend begraben wurde, ist sein Grab leer. Das ist real geschehen und Grundlage für meinen Glauben. Wäre das nicht geschehen, dann wäre unser Glaube sinnlos (1. Korinther 15,14).
    2. Jesus sitzt neben Gott, seinem Vater, auf dem Thron und er regiert. Er hat die Kontrolle, darum brauchen wir uns nicht zu fürchten. Das Buch der Offenbarung spricht intensiv genau davon: Gott hat das letzte Wort. Er wird am Ende alles gut machen.

    Das war mein Satz für diesen Tag und nach diesem Jahr eine gute Erinnerung für den Start in das nächste Jahr: Wo ist Jesus? Er ist nicht im Grab, sondern auferstanden. Er wurde in den Himmel aufgenommen und sitzt an Gottes rechter Seite auf dem Thron.