Kategorie: Blog

  • Passivrauchen, Umgekehrte Zentauren und vielleicht auch etwas Konstruktives zu KI

    In diesem Post sammle ich ein paar Gedanken und Links über KI. Ich weiß auch nicht, warum ich diese Artikel lese und mir Gedanken zu KI mache. Eigentlich könnte KI mich doch einfach in Ruhe lassen. Tut es leider nicht.

    Sehr stark finde ich die Feststellung: „KI-Slop im Privatleben ist Passivrauch fürs Gehirn.“ Sebastian Moitzheim fragt sich, weshalb sich Menschen in ihrer Freizeit, bei Hobbys oder bei Geschenken für Freunde, an KI-Chatbots wenden. Dabei geht der Spaß an der Beschäftigung verloren. Oder die Wertschätzung, die ein Geschenk ausmacht. Es ist peinlich, für solche Themen KI einzusetzen.

    Cory Doctorow befasst sich mit gesellschaftlichen Problemen von KI (nicht nur LLMs). Die Gefahr von KI besteht darin, dass sie Menschen zu umgekehrten Zentauren werden lassen kann. Cory Doctorow hat ein Buch darüber geschrieben und Vorträge dazu gehalten. Danke an Rolf mit dem Blog mit der Zitrone für den Hinweis.

    Die Idee ist schnell erklärt: Ein Zentaur ist ein Mensch, der durch eine Maschine unterstützt und fähiger gemacht wird. Ein umgekehrter Zentaur ist ein Mensch, der nur dafür da ist eine Maschine umherzutragen, damit die Maschine ihre Arbeit tun kann.

    Ich habe Schwierigkeiten damit, wenn jemand Output von LLMs einfach so weiter kopiert. Das geht nicht nur mir so. Und mir hilft es, wenn ich die Erklärungen anderer lesen kann, was sie daran stört. Andere nennen Menschen, die LLM-Output kopieren, scherzhaft abwertend als „meat proxies“. Daraus ergibt sich die Aufforderung: „Don’t be a meat proxy.“ Dieser Name ist inspiriert von Niklas Gruhn.

    Ein Freund von mir ist Software Entwickler und berichte mir kürzlich davon, wie frustrierend es ist, wenn Kollegen früher Feierabend machen (müssen), weil sie ihr Token Kontingent für den Tag aufgebraucht haben. Gleichzeitig erlebt er wie viel KI derzeit halluziniert, weshalb LLM-Ergebnisse vor Einsatz gut geprüft werden müssen. Aber wenn die Ergebnisse oft okay sind, dann verlernen Menschen die schwer zu erkennenden Fehler zu finden.

    „Automatisierungsblindheit“ ist die physische Unmöglichkeit, aufmerksam zu bleiben für Dinge, die nur selten auftreten. (Cory Doctorow, der umgekehrte Zentaur)

    Als Theologe interessieren mich Fragen, die in den metaphysischen Bereich hineinragen. Zum Beispiel, ob KI ein Bewusstsein entwickeln kann/wird. Ich halte das für unwahrscheinlich. Cal Newport sagte in seinem Podcast mal, an KI mit Bewusstsein muss man glauben. Und Cory Doctorow machte diese Vorstellung mit einem hervorragenden Vergleich lächerlich:

    Noch mehr Wörter und Grafikprozessoren auf ein Wort-Rate-Programm zu werfen wird kein Bewusstsein erzeugen. Das ist so, als würde man sagen: „nun, wir züchten diese Pferde, damit sie immer schneller laufen, also ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis eine unserer Stuten eine Lokomotive zur Welt bringt.“ Ein menschlicher Geist ist keine Wort-Rate-Maschine mit vielen zusätzlichen Wörtern.

    Etwas konstruktiver klingt Simon Sinek in einem kurzen Ausschnitt aus einem Gespräch bei YouTube „the truth about AI in the workplace“. Demnach gibt es Aufgaben, die ein LLM gut übernehmen kann. Er hält es für sinnvoll, von Menschen zu lernen, die sich mit LLM-KI auseinandersetzen, weil sie Spaß und Interesse daran haben. Von ihnen versucht er zu lernen, worin KI gut ist und worin nicht. Das versuche ich im Prinzip auch, merke bei mir jedoch eine gewisse Skepsis gegenüber Menschen, die begeistert von KI sind. Manchem begegne ich dabei bestimmt zu kritisch (und das tut mir leid).

    Bei der Bild Bearbeitung finde ich KI hilfreich. Nicht die Bild Generierung, sondern die farbliche Bearbeitung einer digitalen Fotografie. Denn die Bilder werden sowieso automatisch bearbeitet, damit sie als Dateien gespeichert werden. Da macht es aus meiner Sicht keinen großen Unterschied, ob dabei ein Algorithmus mit oder ohne KI zum Einsatz kommt. Für mich macht es auch keinen Unterschied, ob ein Algorithmus oder eine KI die Bilder nochmal anpasst, nachdem die Datei bereits gespeichert wurde.

    Außerdem lass ich mir von KI manchmal im Umgang mit Dateien helfen. Für den Vergleich zweier Excel-Tabellen war KI hilfreich. Bei diesem Anwendungsfall kommt mir das einfache Interface des Chatbots entgegen. Das nutze ich im Zweifel lieber, als mir bei diversen Programmen besondere Einzelfunktionen anzueignen. Oder beim Erstellen einer Word-Datei mit allen Sonntagen im nächsten Jahr, gruppiert nach Monaten und dabei Termine aus einer anderen Datei an die richtigen Stellen eingefügt. Das hat ein LLM-Chatbot gut genug hinbekommen und mir einiges an händischer Arbeit erspart.

    Ich würde sagen, damit werde ich nicht zum verkehrten Zentaur und verhalte mich nicht wie ein meat proxy. Oder siehst du das anders?

  • Markus 14: Betete Jesus vor seiner Verhaftung das Vaterunser?

    Das Gebet, das wir Vaterunser nennen, hat zwei Quellen in der Bibel: die Bergpredigt (in Matthäus 6) und Lukas 11. In beiden Stellen bringt Jesus dieses Gebet seinen Jüngern bei. In den anderen beiden Evangelien, Markus und Johannes, ist das Vaterunser nicht direkt überliefert. Aber können wir es indirekt vielleicht doch in Markus erkennen?

    Vor kurzem habe ich die Gethsemane-Situation im Markus-Evangelium gelesen (Markus 14,32-42): Kurz bevor Jesus verhaftet wird, bittet er seine Jünger, dass sie mit ihm wach bleiben und beten sollen. Er geht noch ein paar Schritte weiter, betet, schaut anschließend nach seinen Jüngern und stellt fest, dass sie eingeschlafen sind. Das ganze wiederholt sich, bis Jesus schließlich verhaftet wird.

    Dabei ist mir etwas aufgefallen: In Markus 14,32–42 sind erstaunliche Parallelen mit dem Vaterunser zu entdecken. Auf diese möchte ich in diesem Beitrag hinweisen.

    Das Gebet von Jesus

    Das Gebet von Jesus gibt Markus sehr kompakt wieder:

    »Abba, Vater«, sagte er, »alles ist dir möglich. Lass diesen bitteren Kelch an mir vorübergehen! Aber nicht wie ich will, sondern wie du willst.« (Markus 14,36 NGÜ)

    „Abba, Vater“ eröffnet das Gebet von Jesus. Das ist sehr dicht an „Unser Vater“. Aus dem Hebräischen könnte „Abba“ mit „mein Papa“ übersetzt werden. Es ist eine persönliche, vertraute Anrede, die eher unserem „Papa“ entspricht. Jesus spricht seinen Vater im Himmel an, in dem Bewusstsein, dass er ihm nahe ist. Jesus vertraut fest darauf, dass der Vater sich für ihn interessiert.

    Mit „alles ist dir möglich“ ehrt Jesus seinen Vater und dessen Möglichkeiten. Dies geschieht im Vaterunser schon bei der Anrede Gottes, die vollständig „Unser Vater im Himmel“ lautet. Ich verstehe diese Lokalisierung Gottes mit „im Himmel“ nicht zwingend als eine Ortsangabe. Vielmehr sehe ich darin ein Ausdruck des Vertrauens, dass Gott eine andere Perspektive auf die Welt hat als ich ich selbst. Gleichzeitig stehen ihm andere Möglichkeiten zur Verfügung.

    Direkt im Anschluss an die Anrede beten wir „geheiligt werde dein Name“. Wir bekennen mit dieser Aussage, dass Gott alle Ehre verdient. Er ist heilig und er verdient Lob. Auch das steckt in dem Gebet von Jesus „alles ist dir möglich“. Gott ist unbegrenzt und wird durch nichts und niemanden eingeschränkt. Jesus vertraut fest darauf, dass dem Vater alles möglich ist und bei nichts, was mit ihm geschehen wird, ist der Vater handlungsunfähig geworden.

    „Lass diesen bitteren Kelch an mir vorübergehen!“ Was in den nächsten Stunden auf Jesus zu kommt, ist eine Tortur. Dass er es als „bitteren Kelch“ bezeichnet, ist fast schon eine Untertreibung. Mit dem Vaterunser lehrte er uns, für unser tägliches Brot zu beten: „Unser tägliches Brot gib uns heute.“ Wir beten um Versorgung und Bewahrung für uns selbst. (Nebenbei: Brot und Kelch sind die beiden Elemente, die uns im Abendmahl begegnen, das Jesus uns in Erinnerung an seine Taten aufgetragen hat.) Jesus vertraut fest darauf, dass der Vater ihn bewahren kann (und es tun wird, sofern es das Beste ist).

    „Aber nicht wie ich will, sondern wie du willst“, betet Jesus vor seiner Verhaftung. „Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden“, bringt er uns als Gebet bei. Jesus weiß in dem Garten, was Gott will, es war immerhin sein eigener Plan. Und obwohl es ihm lieber wäre, diesen bitteren Kelch nicht trinken zu müssen, ist ihm die Loyalität zu Gott und die Unterordnung unter den Willen des Vaters noch wichtiger. Jesus vertraut fest darauf, dass der Wille des Vaters besser ist, als sein Wunsch, von dem bitteren Kelch bewahrt zu werden.

    Andere Aspekte des Vaterunsers

    Das Gebet von Jesus ist sehr konkret in Bezug auf seine aktuelle Situation gesprochen. Daher leuchtet es ein, dass er in der „ich“-Sprache betet. Das Vaterunser ist dagegen in der Mehrzahl formuliert. Doch wir können auch den „uns“-Aspekt in Markus 14,32–42 erkennen, denn Jesus bittet seine Jünger, dass sie mit ihm wachen und beten sollen und auch für sich beten.

    Das Gebet, zu dem Jesus die Jünger hier im Garten auffordert, verbindet er mit einem ganz besonderen Zweck, der auch im Vaterunser auftaucht. Dort mit den Worten „Führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.“ Hier:

    Wacht und betet, damit ihr nicht in Versuchung geratet! Der Geist ist willig, aber die menschliche Natur ist schwach. (Markus 14,38 NGÜ)

    Doch die Jünger schlafen anstatt zu wachen und zu beten. Was im Markus-Evangelium als nächstes geschieht zeigt: Das Böse begegnet ihnen, die Jünger geraten in Versuchung und sie sind der Versuchung nicht gewachsen. Sie alle verlassen Jesus. Petrus wird mehrfach heftig bestreiten, dass er Jesus überhaupt gekannt hat.

    „Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.“ Jesus war frei von Schuld, doch jeder andere wird schuldig. Wie wir oben gesehen haben, hatten seine Jünger diese Bitte um Vergebung ihrer Schuld nötig. Das hat sich bis heute nicht geändert. Wir – seine Jünger – haben dieses Gebet notwendig. Und wir können gewiss sein, dass er uns unsere Schuld vergibt. Das hat sich bis heute nicht geändert.

    Sowas wie ein Fazit

    Mir ist bewusst, dass dieser Artikel keine gründliche Exegese darstellt. Trotzdem, ich würde diese Bibelverse mit Bleistift demütig als „Das Vaterunser des Markus-Evangeliums“ überschreiben.

    Wenn daran etwas dran sein sollte, haben bestimmt schon andere Menschen in den letzten 2000 Jahren darüber geschrieben. Ein Artikel im Logos-Blog „Word by Word“ trägt die Überschrift „Did Jesus Pray the Lord’s Prayer for Himself or for Us?“ Den Artikel werde ich mir demnächst mal anschauen.

    Mich berührt es, dass Jesus „das Vaterunser“ vor seiner Verhaftung betete. In einer Situation voller Angst und Trauer greift Jesus auf die Grundlage zurück, die er seinen Freunden beigebracht hat.

    Was bedeutet dir das Vaterunser? Betest du es regelmäßig, gelegentlich oder gar nicht? Macht es etwas mit dir, dass Jesus in größter Anspannung ein Gebet betete, dass dem Vaterunser so ähnlich ist? Ich würde mich freuen, wenn du deine Gedanken in einem Kommentar hinterlässt.

  • Bitte um Hinweise: Wie schrieb Hans Joachim Störig seine Bücher?

    Die „Kleine Weltgeschichte der Philosophie“ von Hans Joachim Störig steht schon einige Wochen auf meinem Schreibtisch und jetzt endlich ist es an der Zeit, mit dem Lesen zu beginnen. Darauf habe ich mich schon gefreut. Über 800 Seiten Philosophie Crashkurs, von der Weisheit des Ostens, über die Philosophie der Antike und des Mittelalters bis in die Gedanken des letzten Jahrhunderts.

    Das Buch „Kleine Weltgeschichte der Philosophie“ wird mit einer Hand vor einem Bücherregal gehalten.

    Die erste Auflage erschien schon 1950. Störig schrieb dieses Buch in einer Zeit vor Computern. Da ich dieses Jahr mehr analog arbeiten möchte, würde es mich interessieren, wie er gearbeitet hat. Wie hat er recherchiert? Hat er einen Zettelkasten wie Niklas Luhmann und viele andere Forscher verwendet? Haufenweise Notizbücher angelegt oder alles mit der Schreibmaschine getippt?

    Seine Autobiografie „Splitter“ könnte dem Inhaltsverzeichnis nach Abschnitte über seine Arbeit enthalten. Leider konnte ich seine „Umrisse einer Biografie“ in keinem Buch-Shop finden, weder gebraucht noch neu. Und eine kurze Online Suche war ebenfalls ergebnislos.

    Insofern habe ich eine Bitte, die ich nun in das Internet hineinschreibe: Gibt es einen Artikel, einen Bericht oder ein Kapitel über die Arbeitsweise von Hans Joachim Störig? Kennst du vielleicht sogar seine Biografie und kannst mir sagen, ob er etwas über seine Arbeit darin geschrieben hat?

  • „Das verwunschene Kind“ hinterfragt mich als Papa

    Rund zehn Jahre nach Uraufführung fand ich „Harry Potter und das verwunschene Kind“ in einem öffentlichen Bücherregal zu verschenken. Und ich bin überrascht, wie leicht sich dieses Theaterstück als Buch lesen ließ.

    Ein kurzer Dialog zwischen Harry und einem Porträt von Dumbledore über Harrys Sohn Albus, offenbart einen wichtigen Unterschied zwischen den beiden:

    Harry: Ich habe Sie nie gefragt, was Sie davon hielten, dass ich ihn nach Ihnen benannt habe, oder?

    Dumbledore: Offen gesagt schien es mir eine große Last für den armen Jungen zu sein, Harry.

    Harry versucht auch noch Jahre nach Dumbledores Tod, Anerkennung von ihm zu erhalten. Sogar durch den Namen, den er seinem Sohn gibt.

    Dumbledore dagegen kann sich in die Lage von Albus Potter hineinversetzen. Nicht nur, dass der Sohn von Harry Potter sein Leben lang über seinen Vater definiert sein wird, er heißt auch noch genauso, wie einer der mächtigsten Zauberer, der jüngeren Geschichte.

    Harry trifft als Papa Entscheidungen für seine Kinder, mit der Motivation, dafür Anerkennung zu bekommen. Das hat mich persönlich ins Nachdenken gebracht: Was mache ich als Papa hauptsächlich aus der Motivation heraus, dass ich von jemandem Anerkennung bekomme?

    Ich wünsche mir, dass meine Erziehung von der Liebe zu Gott und meinen Kindern bestimmt ist. Das ist ein Ziel, das ich nie erreichen werde. Darum empfinde ich solche Fragen als hilfreich, um meine Erziehung zu hinterfragen. (Nicht, dass ich eine klare Antwort darauf hätte…)

    Insgesamt hat mich die Geschichte nach einem holprigen ersten Viertel mehr in den Bann gezogen, als ich es erwartet hätte. Manche Feinheiten in den Dialogen sind mir beim Lesen deutlicher aufgefallen, als bei unserem Theaterbesuch vor ein paar Jahren.

  • Tschüss, Hugo. Willkommen bei WordPress.

    In den vergangenen Tagen habe ich meinen Blog von Hugo zu WordPress umgezogen. Es kommt mir ehrlicherweise ziemlich dumm vor. Hugo nutze ich seit etwa einem Jahr. Und Hugo ist ein großartiger Static Site Generator. Jetzt zu WordPress zu wechseln, fühlt sich an, als würde ich aufgeben. Und meine Werte verraten. Aber, ich habe es gemacht, erhoffe mir entspannteres Bloggen und bin (die ersten Tage) zufrieden mit WordPress.

    Dieser Umzug zu WordPress hat für die Heldinnen und Helden, die den RSS-Feed abonniert haben, manche Beiträge als ungelesen angezeigt, obwohl sie schon vor längerer Zeit veröffentlicht wurden. Dies tut mir leid und ich bitte euch, das zu entschuldigen.

    Der Grund

    In „you can stick with it“ plädiert Ava dafür, dass Menschen nicht immer wieder ein neues Blog-Setup umsetzen. Bleib bei dem Blog, den du gerade hast. Allerdings schreibt sie:

    […] what makes you think selfhosting and having to use the CLI to get some SSG to build it will get you to blog more? It’s way more effort to post like that! You can’t even do it without your computer.

    Genau das ist der Grund, weshalb ich mein Blog-Setup ändern wollte. Hugo ist ein toller Static-Site-Generator. Ich habe Hugo wirklich gern eingesetzt. Und dennoch, die Welt der CLI, der Code-Editoren und von Git, das ist nicht mehr meine Welt. In meinem Alltag kommt dies nicht mehr vor. Früher war das anders. Als Software-Entwickler oder Informatik-Student hatte ich immer mehrere Terminals offen. In der Theologie brauche ich das nicht. Und so fühlte es sich künstlich an, einen neuen Beitrag zu verfassen. Es hat mich genervt, erst das Terminal zu starten, meinen Nerd-Editor zu öffnen, eine Markdown-Datei zu tippen, in Git einzuchecken und zu pushen, damit der Beitrag durch eine CI/CD-Pipeline bei GitLab in die Website gebaut und mit rsync veröffentlicht wurde.

    Wie beim letzten Wechsel meiner Blog-Software, erhoffe ich mir entspannteres Bloggen. Weniger Aufwand für einen einzelnen Beitrag, sodass ich häufiger einen Blog-Beitrag schreibe. Vielleicht wird sogar Phoneblogging funktionieren. Wir werden sehen, wohin das führt.

    Mit WordPress können jetzt Kommentare in meinem Blog geschrieben werden. Ich bin gespannt, was ich von dir/euch zu lesen bekomme. Oder, ob ich überhaupt etwas zu lesen bekomme.

    Der Wechsel

    Die meisten Blog-Posts, die ich zu Hugo und WordPress gefunden habe, beschrieben den Weg von WordPress zu Hugo. In die andere Richtung sind bisher scheinbar noch nicht so viele Menschen gegangen. Daher war ich glücklich darüber, zumindest zwei Blog-Posts zu finden, die ihre Erfahrungen beschrieben haben.

    Plugin: RSS-Importer

    Wie Jason Jalbuena habe ich den RSS-Importer (Version 0.3.2) verwendet, um meine Posts von Hugo zu WordPress zu bekommen. Trotz der schlechten Plugin-Bewertungen, hat es bei mir seinen Job getan. Jasons Hinweis, dass im RSS-Feed von Hugo die neuen Zeilen entfernt werden müssen, hat mir geholfen.

    Außerdem habe ich habe das <link>-Element von RSS verwendet, um meine Permalink-Slugs von Hugo zu WordPress zu bekommen. Dazu habe ich die Zeilen 84–85 im RSS-Importer-Plugin dupliziert und für $post_name angepasst. Anschließend musste ich den $post_name in das Array für den neuen Beitrag ergänzen, das in Zeile 144 zusammengefügt wird.

    Plugin: „Auto Upload Images“

    Hilfreich war auch die Beschreibung von Chris Salzman, der schon 2019 den Wechsel gewagt hat. Ihm habe ich den Hinweis auf das „Auto Upload Images“-Plugin zu verdanken. Dadurch wurden die Bilder meiner bisherigen Hugo-Website während des RSS-Imports direkt in WordPress hochgeladen. Sehr nützlich und eine echte Arbeitserleichterung.

    Die Zukunft

    Dieser Wechsel ist noch nicht abgeschlossen. Obwohl ich damit rechne, in Zukunft weniger Friction beim Verfassen einzelner Posts zu erleben, wird die Betreuung der WordPress-Instanz sicher eine gewisse Zeit kosten.

    Mit dem Layout und Design bin ich zwar für den ersten Schritt einverstanden, aber nicht vollständig zufrieden. Mich stört zum Beispiel, dass die Seite nicht mehr die System-Einstellungen der Besuchenden für hellen oder dunklen Hintergrund respektiert.

    Jetzt bin ich aber motiviert, dieses Blog zu nutzen, und gespannt, ob hier der ein oder andere Kommentar eintrifft. Ich würde mich freuen. 🖖

  • Meine Wünsche an Video-Bearbeitung mit KI

    Video-Bearbeitung macht mir Spaß. Ich bin kein Experte, kann aber mit Davinci Resolve ganz passabel umgehen. Und bei inspirierenden Videos versuche ich, mir etwas abzuschauen. Die meisten Videos schneide ich für ein sehr kleines Publikum: mich selbst, meine Frau und gelegentlich Familie bei Mastodon.

    Leider, fehlt mir oft die Zeit, um mehrere Aufnahmen in ein knackiges Video zu schneiden. Daher habe ich mich gefragt, ob ich nicht eine künstliche Intelligenz für Video-Bearbeitung nutzen könnte. Bisher habe ich jedoch noch kein KI-Tool gefunden, das meine Wünsche erfüllt.

    TL;DR, meine Wünsche sind: Das Video soll auf meinem Laptop anstatt in der Cloud geschnitten werden. Ich möchte mit natürlicher Sprache beschreiben können, was ich mir vorstelle und was geändert werden soll.

    (mehr …)
  • Das Manuskript ist nicht das Ergebnis der Predigt-Vorbereitung

    Die Aufgabe des Predigenden ist:

    Simply enjoying the Bible in front of others.

    —Ian Simkins (bei Instagram)

    Dieser sicherlich unvollständigen Definition kann ich einiges abgewinnen. Deswegen bin ich der Ansicht: eine KI kann keine Predigt schreiben, denn der Text ist nicht das Ergebnis der Predigt-Vorbereitung.

    (mehr …)
  • Predigt Post-Mortem: „Ein gemeinsames Ziel“

    Am Sonntag habe ich über 1. Korinther 1,10 gepredigt. Der Text-Abschnitt und ein grober Leitgedanke waren durch unser aktuelles Bibelprojekt bereits vorgeschlagen.

    Ich rufe euch, meine Brüder und Schwestern, durch den Namen unseres Herrn Jesus Christus dazu auf, dass ihr alle entschlossen zusammenhaltet und euch nicht auseinanderreißen lasst, sondern dass ihr zusammengefügt seid in derselben Überzeugung und demselben Ziel. (1. Korinther 1,10)

    Ein internes Thema

    An diesem Sonntag wurden Kinder aus drei Familien gesegnet – inklusive meiner Tochter. Dadurch waren mehr Gäste als gewöhnlich in unserem Gottesdienst. Für so einen Sonntag erschien mir das Thema der Predigt unangenehm intern. Wir reden über die Gemeinde. Als Gemeinde sollen wir in Streitfragen, die auch zu Spaltungen führen könnten, zusammenhalten. Eigentlich ist es mein Wunsch, Predigten zu schreiben, die relevant für Menschen sind, die nicht Teil unserer (oder überhaupt einer) Gemeinde sind. Ich bin mir nicht sicher, ob es mir bei dieser Predigt gelungen ist.

    Ohne konkrete Anwendung

    Außerdem finde ich, der Predigt hat ein klares „so what“ gefehlt. Auf die Frage „Was mache ich nun konkret nach dieser Predigt?“ bin ich nicht eingegangen.

    Einerseits hätte die Predigt mit einem weiteren Punkt vermutlich zu lange gedauert. Für mein Empfinden war die Länge schon in der vorhandenen Fassung ausgereizt (allerdings hat meine Einleitung auch zu lange gedauert).

    Andererseits ist mir in der Vorbereitung keine einleuchtende Anwendung eingefallen, die für unsere Gemeinde passend gewesen wäre. Mir war es daher lieber, keine Anwendung zu benennen, anstatt irgendeine Anwendung daher zu stammeln, bei der ich in der Predigt schon erwarte, dass sie niemand ernstnehmen wird.

    Unser Leiter für die Gottesdienste hatte mir im Anschluss an den Gottesdienst zurückgemeldet, dass diese Anwendung aus seiner Sicht nicht gefehlt hat. Unserem Empfinden nach ist dieses Thema (Streit, der zu Spaltungen führen könnte) in unserer Gemeinde keine akute Herausforderung. Und ich weiß auch von unserem Pastor Sven Godau, dass aus seiner Sicht nicht jede Predigt eine Anwendung notwendig hat.

    Aber während meiner Vorbereitung habe ich eine Anwendung vermisst. Im Gottesdienst selbst fehlte mir die Anwendung weniger stark, vielleicht weil wir im Anschluss ein Abendmahl feierten.

    Übersetzung des Bibelverses

    Dafür mochte ich die „Übersetzung“ oder Übertragung des Bibelverses, die ich für die Predigt angefertigt habe. Dabei habe ich mich vom griechischen Urtext leiten lassen, Wörterbücher in Logos nachgeschlagen und mich von kommunikativen Bibel-Übersetzungen (wie der NGÜ und der GNB) inspirieren lassen.

    Ich finde, dass ich den Vers für die Predigt und meine Gemeinde passend in Worte fassen konnte. Letztlich war der Vers strukturgebend für die zweite Hälfte der Predigt. Bei der Predigt ist diese Struktur leider nicht immer ganz eindeutig erkennbar gewesen. Auf eine klarere Kommunikation meiner Struktur möchte ich bei der nächsten Predigt am 8. März mehr achten.

  • In der Gemeinde sind Micro-Begegnungen wichtiger als Effizienz

    Mit Micro-Begegnungen meine ich kleine, kurze Momente, in denen sich zwei Menschen begegnen, die sonst vielleicht nicht viel miteinander zu tun haben. Ich sehe darin einen großen Wert für eine Gemeinde oder eine Gemeinschaft. Denn sie erlauben eine gegenseitige Wahrnehmen und Wertschätzung. Diese kurzen Momente können ausdrücken: „Ich sehe dich. Wir sind miteinander unterwegs. Du bist mir wichtig.“

    Einer meiner Kollegen muss in den nächsten Wochen ein paar Zettel an die Kleingruppen-Leitenden unserer Gemeinde verteilen. Wir haben uns kurz darüber unterhalten, wie er dies sinnvoll tun könnte. „Ich will jetzt nicht mit jedem dieser Personen einen Termin verabreden, um denen 10 Zettel in die Hand zu drücken,“ sagte er und ich verstehe ihn absolut, das wäre Quatsch. Stattdessen wollte er die Zettel in unserem Gemeindehaus an einem Ort platzieren, den jeder aus der Gruppe erreichen kann. Das klingt nach einem unaufwändigen, asynchronen Vorgehen. Für ihn wäre das effizient, weil der mit einer einzelnen Aktion die Aufgabe erledigen kann, nicht mehr daran denken muss und die anderen ihr Zettel-Paket abholen können, wenn es ihnen eben passt.

    Obwohl ich diese asynchronen Protokolle schätze, habe ich dennoch eine Alternative vorgeschlagen: Er soll nach einem unserer Gottesdienste die entsprechenden Personen suchen und ihnen die Zettel persönlich in die Hand drücken. Und für alle, die er nicht getroffen hat, kann er die Zettel immer noch an einem zentralen Ort zur Abholung bereitlegen. Zugegeben, dieses Vorgehen ist mit größerem Aufwand für ihn verbunden. Ich glaube trotzdem, dass es sich lohnt, weil es Micro-Begegnungen ermöglicht.

    Ich bin der Meinung, dass diese Micro-Begegnungen in einer Gemeinde wichtig sind. Denn in diesen kurzen Begegnungen, sei es nur, um ein paar Flyer zu verteilen, nehme ich mein Gegenüber wahr. Ich kann diese Micro-Begegnung zum Anlass nehmen, um meine Wertschätzung und meine Dankbarkeit für die Mitarbeit des Anderen auszudrücken. In diesen Momenten erlebe ich die andere Person. Je nach Situation, kann aus dieser kurzen Begegnung tiefere Gemeinschaft entstehen.

    Es kann sein, dass ein Vorgehen, das Micro-Begegnungen ermöglicht, mehr Aufwand bedeutet, länger dauert und insgesamt weniger effizient ist. Doch ich glaube, dass sich dieser Mehraufwand lohnt, weil dadurch Gelegenheiten entsteht, die Gemeinschaft zu stärken.

    Wenn du Teil einer Gemeinschaft wie die einer Gemeinde bist, dann suche nach Möglichkeiten um Micro-Begegnungen in dein Vorgehen zu integrieren.

  • Links über das Schreiben und das soziale Web

    Schreiben ist eine sinnvolle Tätigkeit für jeden, der Denken (lernen) möchte. Blogs und persönliche Websites sind ein guter Ort, um eigene Texte zu sammeln und zu veröffentlichen. Außerdem sind diese persönlichen Websites die Hoffnung für das soziale Internet.In diesem Post habe ich einige Artikel anderer Leute zu diesen Meinungen gesammelt, die ich in den letzten Wochen gelesen und nicht einfach aus meinen Tabs löschen wollte.

    Über das Schreiben

    Du solltest jeden Tag schreiben, selbst wenn du kein Autor bist. Denn: Schreiben ist Denken, so in etwa schreibt Joan Westenberg. Ich glaube, das stimmt. Es macht einen Unterschied, die eigenen Gedanken „nur zu denken“ oder sie aufzuschreiben. Durch das Schreiben wird sichtbarer, was ich denke und wie die Logik in meinen Gedanken ist. Darum formuliert Joan folgenden Satz wunderbar:

    Writing every day is less about becoming someone who writes, and more about becoming someone who thinks.

    Joan Westenberg empfiehlt zu Produktivität, sich nicht auf eine Methode festzulegen. Getting Things Done, Bullet Journal, Pomodorro, Kanban etc. Alles davon und mehr hab ich schon kürzer oder länger probiert. Für ein einzelnes System konnte ich mich nie endgültig entscheiden. Daher finde ich seinen Ansatz clever und sinnvoll: verwende keine Methode und jede Methode. Zusammen mit dem „jeden Tag schreiben“ Tipp bedeutet das für mich auch, dass ich zufrieden sein möchte, wenn ich irgendwas irgendwo geschrieben habe. Es muss nicht jeden Tag ein Blogpost sein oder jeden Tag in meinem Leuchtturm-Notizbuch, das Medium ist nicht so wichtig wie die Tätigkeit.

    Geschichten schreibe ich eigentlich nie, vielleicht höchstens als Teil einer Predigt. Dennoch fand ich die 22 Regeln über das Storytelling von Pixar sehr lesenswert. Und Chase McCoy hat diese Regeln auf das allgemeine Schreiben angewendet.

    Über das soziale Internet

    Ich bemerke immer wieder dabei, dass mich „das Internet“ fasziniert und begeistert. Riesiges Potenzial. Nützlich, unterhaltsam, persönlich. Leider sind diese Eigenchaften auf modernen, globalen Platformen verkümmert. Doch es gibt eine Lösung für dieses Problem: Persönliche Websites. Das argumentiert Henry Desroches in einem wunderbar gestalteten Online-Essay. Gut zu lesen und ein Augenschmaus.

    Wichtiger Teil für das soziale Internet bestehend aus persönlichen Websites ist RSS. RSS ist ein wichtiges, sehr grundlegendes Web-Protokoll um Neuigkeiten von Websites auszutauschen. Selbst wenn du noch nie davon gehört hast, kann es gut sein, dass du RSS verwendest. Die ganze Podcast-Infrastruktur basiert auf RSS. Und auch mein Blog hat ein RSS-Feed.

    RSS-Feeds kannst du zum Beispiel mit NetNewsWire in der Mac- und iOS-Umgebung abonnieren. Für deinen Web-Browser gäbe es ein Angebot wie Blogs Are Back.

    Falls du selbst noch keinen Blog hast, dann schließe ich mit einer weiteren Empfehlung von Joan Westenberg: Starte einen Blog. Es lohnt sich. Ein Blog bietet dir mehr Gestaltungsmöglichkeiten als sogenannte Social Media Apps. Ein Blog mit einer eigenen Domain gehört dir mehr als jeder Instagram Account. Mit einem Blog kannst du deine eigenen Gedanken entfalten, in die Öffentlichkeit denken, und dadurch mit Menschen kommunizieren, die ähnliche Interessen haben.