In der Gemeinde sind Micro-Begegnungen wichtiger als Effizienz
18. Januar 2026
Mit Micro-Begegnungen meine ich kleine, kurze Momente, in denen sich zwei Menschen begegnen, die sonst vielleicht nicht viel miteinander zu tun haben. Ich sehe darin einen großen Wert für eine Gemeinde oder eine Gemeinschaft. Denn sie erlauben eine gegenseitige Wahrnehmen und Wertschätzung. Diese kurzen Momente können ausdrücken: „Ich sehe dich. Wir sind miteinander unterwegs. Du bist mir wichtig.“
Einer meiner Kollegen muss in den nächsten Wochen ein paar Zettel an die Kleingruppen-Leitenden unserer Gemeinde verteilen. Wir haben uns kurz darüber unterhalten, wie er dies sinnvoll tun könnte. „Ich will jetzt nicht mit jedem dieser Personen einen Termin verabreden, um denen 10 Zettel in die Hand zu drücken,“ sagte er und ich verstehe ihn absolut, das wäre Quatsch. Stattdessen wollte er die Zettel in unserem Gemeindehaus an einem Ort platzieren, den jeder aus der Gruppe erreichen kann. Das klingt nach einem unaufwändigen, asynchronen Vorgehen. Für ihn wäre das effizient, weil der mit einer einzelnen Aktion die Aufgabe erledigen kann, nicht mehr daran denken muss und die anderen ihr Zettel-Paket abholen können, wenn es ihnen eben passt.
Obwohl ich diese asynchronen Protokolle schätze, habe ich dennoch eine Alternative vorgeschlagen: Er soll nach einem unserer Gottesdienste die entsprechenden Personen suchen und ihnen die Zettel persönlich in die Hand drücken. Und für alle, die er nicht getroffen hat, kann er die Zettel immer noch an einem zentralen Ort zur Abholung bereitlegen. Zugegeben, dieses Vorgehen ist mit größerem Aufwand für ihn verbunden. Ich glaube trotzdem, dass es sich lohnt, weil es Micro-Begegnungen ermöglicht.
Ich bin der Meinung, dass diese Micro-Begegnungen in einer Gemeinde wichtig sind. Denn in diesen kurzen Begegnungen, sei es nur, um ein paar Flyer zu verteilen, nehme ich mein Gegenüber wahr. Ich kann diese Micro-Begegnung zum Anlass nehmen, um meine Wertschätzung und meine Dankbarkeit für die Mitarbeit des Anderen auszudrücken. In diesen Momenten erlebe ich die andere Person. Je nach Situation, kann aus dieser kurzen Begegnung tiefere Gemeinschaft entstehen.
Es kann sein, dass ein Vorgehen, das Micro-Begegnungen ermöglicht, mehr Aufwand bedeutet, länger dauert und insgesamt weniger effizient ist. Doch ich glaube, dass sich dieser Mehraufwand lohnt, weil dadurch Gelegenheiten entsteht, die Gemeinschaft zu stärken.
Wenn du Teil einer Gemeinschaft wie die einer Gemeinde bist, dann suche nach Möglichkeiten um Micro-Begegnungen in dein Vorgehen zu integrieren.