Passivrauchen, Umgekehrte Zentauren und vielleicht auch etwas Konstruktives zu KI

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In diesem Post sammle ich ein paar Gedanken und Links über KI. Ich weiß auch nicht, warum ich diese Artikel lese und mir Gedanken zu KI mache. Eigentlich könnte KI mich doch einfach in Ruhe lassen. Tut es leider nicht.

Sehr stark finde ich die Feststellung: „KI-Slop im Privatleben ist Passivrauch fürs Gehirn.“ Sebastian Moitzheim fragt sich, weshalb sich Menschen in ihrer Freizeit, bei Hobbys oder bei Geschenken für Freunde, an KI-Chatbots wenden. Dabei geht der Spaß an der Beschäftigung verloren. Oder die Wertschätzung, die ein Geschenk ausmacht. Es ist peinlich, für solche Themen KI einzusetzen.

Cory Doctorow befasst sich mit gesellschaftlichen Problemen von KI (nicht nur LLMs). Die Gefahr von KI besteht darin, dass sie Menschen zu umgekehrten Zentauren werden lassen kann. Cory Doctorow hat ein Buch darüber geschrieben und Vorträge dazu gehalten. Danke an Rolf mit dem Blog mit der Zitrone für den Hinweis.

Die Idee ist schnell erklärt: Ein Zentaur ist ein Mensch, der durch eine Maschine unterstützt und fähiger gemacht wird. Ein umgekehrter Zentaur ist ein Mensch, der nur dafür da ist eine Maschine umherzutragen, damit die Maschine ihre Arbeit tun kann.

Ich habe Schwierigkeiten damit, wenn jemand Output von LLMs einfach so weiter kopiert. Das geht nicht nur mir so. Und mir hilft es, wenn ich die Erklärungen anderer lesen kann, was sie daran stört. Andere nennen Menschen, die LLM-Output kopieren, scherzhaft abwertend als „meat proxies“. Daraus ergibt sich die Aufforderung: „Don’t be a meat proxy.“ Dieser Name ist inspiriert von Niklas Gruhn.

Ein Freund von mir ist Software Entwickler und berichte mir kürzlich davon, wie frustrierend es ist, wenn Kollegen früher Feierabend machen (müssen), weil sie ihr Token Kontingent für den Tag aufgebraucht haben. Gleichzeitig erlebt er wie viel KI derzeit halluziniert, weshalb LLM-Ergebnisse vor Einsatz gut geprüft werden müssen. Aber wenn die Ergebnisse oft okay sind, dann verlernen Menschen die schwer zu erkennenden Fehler zu finden.

„Automatisierungsblindheit“ ist die physische Unmöglichkeit, aufmerksam zu bleiben für Dinge, die nur selten auftreten. (Cory Doctorow, der umgekehrte Zentaur)

Als Theologe interessieren mich Fragen, die in den metaphysischen Bereich hineinragen. Zum Beispiel, ob KI ein Bewusstsein entwickeln kann/wird. Ich halte das für unwahrscheinlich. Cal Newport sagte in seinem Podcast mal, an KI mit Bewusstsein muss man glauben. Und Cory Doctorow machte diese Vorstellung mit einem hervorragenden Vergleich lächerlich:

Noch mehr Wörter und Grafikprozessoren auf ein Wort-Rate-Programm zu werfen wird kein Bewusstsein erzeugen. Das ist so, als würde man sagen: „nun, wir züchten diese Pferde, damit sie immer schneller laufen, also ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis eine unserer Stuten eine Lokomotive zur Welt bringt.“ Ein menschlicher Geist ist keine Wort-Rate-Maschine mit vielen zusätzlichen Wörtern.

Etwas konstruktiver klingt Simon Sinek in einem kurzen Ausschnitt aus einem Gespräch bei YouTube „the truth about AI in the workplace“. Demnach gibt es Aufgaben, die ein LLM gut übernehmen kann. Er hält es für sinnvoll, von Menschen zu lernen, die sich mit LLM-KI auseinandersetzen, weil sie Spaß und Interesse daran haben. Von ihnen versucht er zu lernen, worin KI gut ist und worin nicht. Das versuche ich im Prinzip auch, merke bei mir jedoch eine gewisse Skepsis gegenüber Menschen, die begeistert von KI sind. Manchem begegne ich dabei bestimmt zu kritisch (und das tut mir leid).

Bei der Bild Bearbeitung finde ich KI hilfreich. Nicht die Bild Generierung, sondern die farbliche Bearbeitung einer digitalen Fotografie. Denn die Bilder werden sowieso automatisch bearbeitet, damit sie als Dateien gespeichert werden. Da macht es aus meiner Sicht keinen großen Unterschied, ob dabei ein Algorithmus mit oder ohne KI zum Einsatz kommt. Für mich macht es auch keinen Unterschied, ob ein Algorithmus oder eine KI die Bilder nochmal anpasst, nachdem die Datei bereits gespeichert wurde.

Außerdem lass ich mir von KI manchmal im Umgang mit Dateien helfen. Für den Vergleich zweier Excel-Tabellen war KI hilfreich. Bei diesem Anwendungsfall kommt mir das einfache Interface des Chatbots entgegen. Das nutze ich im Zweifel lieber, als mir bei diversen Programmen besondere Einzelfunktionen anzueignen. Oder beim Erstellen einer Word-Datei mit allen Sonntagen im nächsten Jahr, gruppiert nach Monaten und dabei Termine aus einer anderen Datei an die richtigen Stellen eingefügt. Das hat ein LLM-Chatbot gut genug hinbekommen und mir einiges an händischer Arbeit erspart.

Ich würde sagen, damit werde ich nicht zum verkehrten Zentaur und verhalte mich nicht wie ein meat proxy. Oder siehst du das anders?

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